Reitlehrer – verlangen einen Haufen Geld fürs in der Halle sitzen und Anweisungen geben... oder doch nicht???

Wenn man beruflich mit Pferden zu tun hat bekommt man so einige Gespräche zwischen Reitschülern, Muttis und Einstellern mit. Nicht selten geht es hierbei um das Thema Geld.
Reitunterricht ist ja so teuer, Reitlehrer X verlangt ganze 30 Euro für eine halbe Stunde Reitunterricht, dabei bietet Reitlehrer Y die 45-Minuten-Einheit für gerademal 10 Euro an. Und bei Z zahlt man 20 Euro, bekommt dafür aber immerhin 60 Minuten Unterricht.
Die Laien (und leider auch einige Leute, die es besser wissen sollten) ziehen also erstmal folgende Schlussfolgerung:
Y bietet günstigen Unterricht
Z ist etwas teurer als Y aber immerhin kann man lange Reiten
X ist unverschämt teuer für gerademal 30 Minuten
Jetzt beschäftigen wir uns mal mit X,Y und Z:
X ist umfassend geschult mit langjähriger Berufserfahrung, bietet qualifizierten Einzelunterricht auf gut ausgebildeten Pferden, versteuert brav seine Einnahmen und ist umfassend versichert. Für 30 Euro bekommt man hier viel Wissen vermittelt und ist umfassend abgesichert falls mal etwas passiert. X unterstützt einen bei der Vorbereitung (Putzen, Satteln) und vermittelt den richtigen Umgang mit dem Partner Pferd.
Y ist Hobbyreiter. Macht das so zum Spaß. Natürlich ist kein Gewerbe angemeldet (ist ja nur Hobby), der brave Zosse dreht brav seine Runden und trabt auch dann im gleichen Tempo weiter, wenn das Töchterchen ihm oben drauf im Maul zieht und in die Rippen boxt – der ist ja so brav und tut nix.
Z unterrichtet in der Abteilung – das macht man eben so in Reitschulen. Die Stunde teilen sich 6 Reiter, deren Pferde brav hintereinander herlaufen. Man sitzt ganze 60 Minuten auf dem Pferd während Pferd und Reitlehrer ihr Programm abspulen und zahlt dafür einen durchschnittlichen Preis.
Denkt man nun noch einmal genauer nach, kommt man vermutlich zu folgendem Schluss:
Bei X lernt man für 30 Euro feines Reiten und den passenden Umgang mit dem Pferd. X nimmt sich Zeit und behandelt jeden Schüler als individuum. Inclusive Vor- und Nachbetreuung (ca 15 Minuten) kommt man hier auf einen Minutenpreis von etwa 66 cent – für die man einiges lernt.
Bei Y erhält man 0815 Unterricht ohne richtigen Versicherungsschutz. Feines Reiten ist Fehlanzeige denn der Zosse reagiert ja nicht auf feine Hilfen wenn ihn nicht mal ziehen und boxen stören. Macht 22 Cent/ Minute, schwere Arme und Muskelkater in den Beinen vom kraftvollen Reiten und wenn man mal vom Pferd fällt ist das Drama groß, denn es ist ja keine Berufshaftpflicht da, die zahlt.
Bei Z ist man einer von vielen. Individualität ist Fehlanzeige. Bei 6 Reitern kann der Reitlehrer jedem maximal 10 Minuten richtige Aufmerksamkeit schenken. Macht einen Minutenpreis von 2€.
Ach herrje – na so günstig ist Z ja wohl doch nicht.
Wohin schicken sie ihr Kind also nun? Zu dem, bei dem es lernt, dass man Lebewesen mit Kraft durch die Gegend zerrt und es im Fall der Fälle nicht abgesichert ist? Zu dem, bei dem es „eines von vielen ist“ und für gerademal 10 Minuten Aufmerksamkeit 20 Euro zahlt? Oder zu dem, der ihr Kind und sie als Kunden wertschätzt, der ihrem Kind Empathie für das Lebewesen, Verantwortungsbewusstsein und Fairness lehrt und der sich uns sein Pferd regelmäßig fortbildet um qualitätsvolle Leistung zu bieten?
X, Y und Z sind natürlich nur stellvertretend für all die A-Zs und natürlich gibt es nicht nur schwarz und weiß sondern auch viele Grautöne. Man kann für 10 Euro guten Unterricht erhalten und für 30 Euro grottigen. Doch Pferde sind nun einmal teuer. Aus- und Fortbildung auch. Und Steuern und Versicherungen liegen leider auch nicht nur bei 2%.
Doch was kostet so ein Pferd eigentlich? Welche kosten verursacht ein Schulpferd? Welche Abgaben hat ein Reitlehrer? Woran erkennen Sie guten Unterricht, fein ausgebildete Pferde und welche Preise sind überhaupt realistisch?
Beginnen wir mit dem ersten Punkt: Was kostet ein gut ausgebildetes, fein zu reitendes und braves Pferd?
Hier hat man 2 Möglichkeiten. Entweder man kauft sich ein (junges) Pferd und bildet dieses selbst aus oder man kauft ein fertig ausgebildetes Pferd.
Junge, brave Pferde bekommt man zwischen 3 und 4 tausend Euro. In die Ausbildung investiert man nochmal rund 6 Monate bis das Pferd sauber an den Hilfen steht, auf feine Signale reagiert aber dennoch die Nerven behält wenn der Reiter mal aus dem Gleichgewicht kommt und auf dem Rücken rumdopst. Der Monat Beritt incl. Unterbringung liegt bei 400-800 €. Gehen wir mal von einem Mittelwert aus kommen wir auf 3500€ Anschaffung + 3600€ Ausbildung = 7100€
Ein fertig ausgebildetes, braves und leichtrittiges Pferd gibt es für 5 bis 10 tausend Euro. Macht im Mittel 7500€.
Damit sind wir also schonmal bei rund 7300€ für die Anschaffung eine geeigneten Schulpferdes.
Einen passenden Sattel (Neu etwa 2000€, gebraucht ab 500€, nehmen wir mal 1000€ für Sattel incl. Anpassung) und sonstiges Zubehör (etwa 300€) braucht das Tier natürlich auch noch.
Gehen wir nun davon aus, dass der Zosse 10 Jahre lang brav und gesund seinen Dienst verrichtet und das Zubehör nicht den Geist aufgibt, so muss er im Jahr schonmal 860€ einbringen (rund 72€/Monat).
Die Unterbringung, Fütterung und Versorgung des Pferdes verschlingt im Monat rund 300€.
Versicherung als Schulpferd kommt auf etwa 15€/Monat.
Der Hufschmied kommt etwa alle 8 Wochen. Im Optimalfall braucht das Pferd keine Eisen, dann sind wir bei 20-40€/Bearbeitung. So viel wie das Pferd läuft sind aber oft zumindest vorne Eisen nötig. Eisenbeschlag vorne kommt auf 45-75€, Kunststoffbeschlag vorne auf 60-100€. Bei 4 Eisen sind wir schon bei 80-100€ bzw. Kunststoff 90-130€. Nehmen wir wie immer den Durchschnitt sind das alle 8 Wochen 74€. Macht ca 40€/Monat.
Dazu kommen Wurmkuren 3-4x/Jahr zu insgesamt etwa 50€. Impfungen zu rund 90€/Jahr (Influenza + Tetanus), der Pferdezahnarzt mind. 1x im Jahr zu etwa 120€ und 1-2x/Jahr sollte ein Ostheopath/Physiotherapeut das Pferd durchchecken und ggf. lockern damit es auch ohne Verklemmungen/Verspannungen seinen Job erledigen kann, sind nochmal etwa 80€/Behandlung also knapp 120€/Jahr.
Das alles auf den Monat gerechnet macht 387€.
Nun muss man natürlich hoffen, dass man das Ultrapferd hat, welches niemals einen Tierarzt benötigt, da es sich weder verletzt, noch kolikt oder teures Zusatzfutter benötigt.
Zusammen mit dem Anschaffungspreis sind wir also bei ganzen 459€ monatlicher Kosten.
Jetzt haben wir aber eines vergessen: Ein feines Pferd, welches von diversen Schülern geritten wird, die oftmals erst lernen müssen, fein zu reiten und ausbalanciert zu sitzen benötigt auch regelmäßigen Korrekturberitt um feinfühlig zu bleiben und den Bewegungsapparat durch entsprechende Gymnastizierung beweglich zu halten. Deshalb sollte es mindestens 1x wöchentlichVor- und Nachbereitung (Von der Koppel holen, putzen, satteln,...) geht hierfür im Bestfall eine Stunde drauf. Wie wir nachher gleich erfahren liegt diese bei etwa 30€.
Macht also nochmal 4x30€/Monat.
Nun kosten das feine, brave, leichtrittige und gesunde Schulpferd also schon 579€/Monat.
Nehmen wir nun einfach mal an, das Pferd läuft 30 Tage im Monat knapp 3x täglich im Unterricht was schon extrem viel ist und geht 1x/Woche nur 1x im Unterricht da es hier ja noch beritten wird, dann muss es in jeder Reitstunde 7€ einbringen, welche einen Teil des Unterrichtspreises darstellen.
Nun kommen wir zum zweiten Teil des Unterrichtspreises: Dem Lohn des Reitlehrers.
Ein Angestellter mit entsprechender Qualifikation erhält minimum 10€/Stunde. Macht Arbeitgeberkosten von rund 13€. Natürlich will der Betriebsinhaber selbst etwas verdienen, zahlt Steuern und Versicherungen und muss somit mit höheren Stundeneinnahmen kalkulieren.
Ein selbstständiger hat etwa 2/3 Abgaben für Umsatzsteuer/Einkommensteuer, Sozial-/Berufsversicherungen, Berufsgenossenschaft und dergleichen. Dazu natürlich ein deutlich größeres Risiko (Krankheit, Unfall, Kundenausfall,...) so rechnen wir hier mit einem Zielgewinn von 10€/Stunde macht schonmal einen Stundenlohn von 30€.
Bei 30 Minuten Einzelreitunterricht kommen nochmal etwa 15 Minuten für die Betreuung des Schülers beim von der Koppel holen, Putzen und Satteln hinzu, denn auch das muss gelehrt, betreut und überprüft werden. Zudem muss das Pferd warm- und trocken geritten werden. Kalkulieren wir also pro Schüler einen Zeitaufwand von 45 Minuten, so ist das mehr als nur gering gerechnet.
Bei 30€/Stunde sind das 22,50€ für den 45 Minuten Zeitaufwand.
Wir kommen also pro 30 Minuten Einzelunterricht auf 7€ Pferd + 22,50€ Trainer = ~30€ Reitstundenpreis. Unterm Strich hat der Reitlehrer hiervon 7,50€ Reingewinn.
7,50€ für 45 Minuten Verantwortung für 2 Lebewesen und das Vermitteln von Wissen in Theorie und Praxis. Und davon muss man sich auch noch regelmäßig Fortbilden.
Natürlich gibt es immer Kritiker, die nun mit dem berühmten „Ja, ABER“ kommen...
Ja, Aber:
unser Schulpferd war gar nicht so teuer und der wurde auch nur 4 Wochen zurecht geritten
Ist es wirklich fein geritten? Kann ohne Kraftaufwand geritten werden? Hat Spaß und Freude an er Arbeit und geht willig voran? Streckt sich alleine in eine gesunde Dehnungshaltung wenn der Reiter noch keine saubere Hilfengebung herstellen kann?
der Hufschmied muss nur alle 10 Wochen kommen
Sind die Hufe wirklich in einwandfreiem Zustand? Ohne Rissen/Brüche? In korrekter Form?
die Hütte in der Matschwiese hinterm Hof oder die Box in der Ecke kostet keine 300€/Monat
Reden wir hier von artgerechter Haltung? Kann das Pferd trocken stehen, erhält jeden Tag mehrstündigen Auslauf und Qualitativ hochwertiges Futter in ausreichender Menge (mind. 2Kg/100kg Lebendgewicht + Kraftfutter?
Ostheopath/Zahnarzt braucht der nicht
Sicher? Waren die regelmäßig da und sagten: Da ist alles ok?
Unser Reitlehrer verdient nur Mindestlohn
Jemand der anderen etwas lehren soll und dafür selbst Jahrelang etwas gelernt hat und motivierten, hochwertigen Unterricht erteilen soll hat also nicht mehr verdient als der ungelernte Hanz-Franz von nebenan?
Unser Reitlehrer kann schon reiten, der braucht keine Fortbildungen
Lernt man denn im Leben aus? Oder lernt man immer dazu? Schleichen sich mit der Zeit keine Fehler ein? Kann man sich nicht immer wieder korrigieren, hinterfragen und besser werden?
Wenn Sie nach einer geeigneten Reitschule/ einem geeigneten Reitlehrer suchen, dann sollten Sie auf folgendes achten:
Welchen Eindruck vermitteln die Pferde? Sehen sie gesund aus? Wirken sie zufrieden? Sind sie motiviert? Ausreichend an den richtigen Stellen bemuskelt?
Welchen Eindruck vermittelt der Reitlehrer? Ist er freundlich und verständnisvoll? Nimmt er sich Zeit für seine Schüler? Wie geht er mit den Pferden um? Wirkt er kompetent und weiß auf jede Frage Rat?
Welchen Eindruck vermitteln die Schüler? Haben sie Spaß? Kann man Empathie für das Lebewesen Pferd erkennen? Helfen Sie einander oder sehen sie sich als Konkurrenz an?
Nun kann ich nur noch eines mit auf den Weg geben: Nichts einfach so annehmen, nur weil es auf den ersten Blick logisch erscheint – genau überlegen, hinterfragen, über den Tellerrand schauen und lieber zweimal drüber nachdenken, ehe man sich ein Urteil erlaubt.

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